Herbst ist Schlachtzeit am WIRLIG-Hof

Draußen ist es noch stockdunkel, der Wecker bimmelt um 4:30 Uhr und läutet einen regnerischen Morgen bei uns am WIRLIG-Hof ein. Einerseits ist der Spätherbst traditionell Schlachtzeit, andererseits waren die im Sommer geborenen Küken zu stattlichen, kräftigen Enten herangewachsen. Und nachdem einige Erpel bereits heftigstes Interesse an den Entendamen bekundet hatten, war es höchste Zeit zu handeln.


Nach einem sehr wortkargen, schnellen Frühstück (die Gesprächsbereitschaft hielt sich ob der anstehenden Meucheltat in Grenzen), richteten wir bei leichtem Nieselregen und im Halbdunkeln den Schlachtbereich ein. Dieser mutete im Vergleich zum letzten Jahr fast professionell an: links die Schlachttrichter in eine leicht waschbare Aluleiter eingeklemmt, mittig der mit Heißwasser gespeiste Rupfautomat und rechts der Arbeitstisch mit Brüh- und Wachstopf. Christoph hatte am Vorabend noch einen Tisch gezimmert und zwei alte Elektroplatten in die Arbeitsfläche des Tisches eingebaut, auf dem wir in einem alten Einkochtopf das Brühwasser auf konstante 70 Grad erhitzen konnten.

Als Wärmequelle für das Wasserbad des vorab auf unserem Küchenherd geschmolzenen Wachses diente eine Feuerstelle mit darauf platziertem Eisengitter – eine Notlösung, die sich als durchaus praktikabel entpuppte und Potential zur Wiederholung im nächsten Jahr bietet. An dieser Stelle kann ich nur wieder anmerken: ein Hoch auf die alten Rex bzw. Weck-Einkochtöpfe!


Als Info am Rande: das Schmelzen der 5kg Wachsplatte dauerte etwa eine Stunde auf dem Küchenherd. Wachspellets würden sicher schneller schmelzen, sind aber etwas teurer.


Und nun geht es ans Eingemachte!

Als Warnung vorweg: dieser Blog beschreibt das Schlachten unserer eigenen Tiere für den eigenen Fleischbedarf. Wir sind keine Profis, sondern handeln nach besten Wissen und Gewissen und so, dass wir den Tötungsakt für unsere Enten möglichst respektvoll und auf kürzesten Wege umsetzen. Das Schlachten selbst wird nur beschrieben und ist im verlinkten Video nicht zu sehen. Die Beschreibung und der Vergleich zum letzten Jahr folgt im Text.

Die erste Ente wurde von mir aus dem Stall geholt und wir atmeten nochmal tief durch. Wir hatten uns zwar einen Bolzenschussgerät für Geflügel ausgeborgt, waren uns jedoch bezüglich des Handlings unsicher und wollten auf keinen Fall das Risiko eingehen, die Enten unzureichend zu betäuben. Vom Ablauf her hielten wir uns daher an den bewährten Prozess vom letzten Jahr: zuerst mit einem beherzten Schlag "nur" betäuben, dann ausbluten lassen. Im Unterschied zum Vorjahr verwendeten wir allerdings Schlachttrichter aus Edelstahl (diese sind nach Gebrauch ganz einfach mit Spülmittel und Schwamm zu reinigen). Die Enten werden dabei nach dem Betäuben kopfüber in den Trichter gesteckt, dann folgt der Kehlschnitt und die Tiere können in Ruhe ausbluten, d.h. der Tod tritt durch den Blutverlust ein. Klingt grausam, ist jedoch nötig, um eine optimale Fleischqualität zu erhalten. Dann erst haben wird der Kopf vor dem Brühen komplett abgetrennt.


Um den Stress für die Enten möglichst gering zu halten, holte ich immer gleichzeitig zwei aus dem Stall. Während Christoph beruhigend Worte der Dankbarkeit für die eine zu betäubende Ente murmelte, wendete ich mich mit der verbleibenden Ente ab, damit diese den Schlachtakt nicht mitansehen musste. Für manche muten diese Gesten vielleicht naiv und blauäugig an, berücksichtig ihr jedoch das zwiespältige Gefühl, einerseits im Frühjahr die Küken zu umsorgen, zu schützen und artgerecht aufziehen zu wollen, um ihnen andererseits im Herbst das Leben zu nehmen, ist die Situation wohl nachvollziehbar. Gewöhnen werden wir uns nie daran.


Mehr Details zum Schlachtablauf gibt es im Video, das ab dem Zeitpunkt des Brühens startet, d.h. die Enten sind bereits getötet und ausgeblutet.

Das Ausnehmen, Wiegen und Verpacken der 15 Enten war dank Teamarbeit in Kürze erledigt. Im Schnitt wiegen unsere Laufenten im küchenfertigen Zustand 1,20 kg ohne die Innereien. Dank maschineller Unterstützung konnten wir im Vergleich zum letzten Jahr doppelt so viele Enten in der halben Zeit verarbeiten und die Tiere mussten bis zum Zeitpunkt X nur kurz eingesperrt bleiben. So konnten wir den Stresspegel für alle menschlichen und tierischen Beteiligten auf möglichst geringem Level halten.


Was auf dem letzten Foto weiter oben ein wenig wie barbarische Halloween-Küchendeko wirkt, sind die zum Trocknen aufgehängten Entenbeine. Um möglichst viel von unseren Tieren zu verwerten, hängen diese nun über unserem Holzofen munter vor sich hin und werden ungeduldig von unseren beiden Hunden beäugt, bis sie Leckerlistatus erreicht haben. Die trockene Hitze über dem Ofen verwandelt sie quasi in Dörrfleisch - vollkommen geruchslos und ohne irgendwelche Zusatzstoffe.


Wir haben länger die unterschiedlichen Angebote zu einem ähnlichen Rupfautomatenmodell wie im Video evaluiert und uns zuerst gegen einen Kauf entschieden. Die von uns favorisierten Modelle sind alle von ähnlicher Bauart (im Prinzip eine mit Motor betriebene, gedrehte Waschmaschinentrommel mit Gumminoppen versehen), starten bei €450 aufwärts und ohne vorab ein „look and feel“ zu bekommen, wollten wir diesen Betrag nicht einfach so ausgeben – Geld wächst ja bekanntlich nicht auf Bäumen.


Unser ausgeborgtes Modell ließ sich leicht transportieren (in unserem Fall im Autoanhänger), die Bedienung erfolgt über einen Aus- und Einschalteknopf und die Reinigung mit dem Kärcher nach getaner Arbeit vollkommen problemlos. Allerdings birgt das Gerät aufgrund der scharfen Kanten und schlampigen Verarbeitung einiges an Verletzungsgefahr und bereits nach ein paar Mal verwenden zeigen sich die ersten Roststellen. Das T-Stück des ringförmigen Wasserschlauches haben wir mit Kabelbinder fixiert, da es sich einige Male gelöst hat. Mit guten 60 kg Gesamtgewicht und Maßen von ca. 1 x 0,5 m Höhe und Breite lässt sich das Teil schwierig verstauen und nimmt einiges an Platz weg.


Fazit: die Geschwindigkeit des Rupfvorganges übertraf die Erwartungen völlig und das gründliche Rupfen gelang in Handumdrehen. Die Gumminoppen weisen kaum Gebrauchsspuren auf. Allerdings ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aufgrund der schlechten Verarbeitung und den ersten Roststellen bei unserem Gerät nicht ausgewogen.


Lohnt sich daher die Anschaffung? In unserem Fall, können wir euch empfehlen, entweder ein Gerät gemeinsam mit anderen Selbstversorgern zu kaufen und zu nutzen oder bei Bedarf eines zu mieten, dann gibt es auch kein Problem mit dem Raumbedarf für den Stellplatz. Wir werden das im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder so machen!

Und unser Findelkind Humpelchen vom Oktober? Nun denn, sagen wir mal so: beim Freisetzen jener Enten, die den Winter überleben dürfen, muss es mir wohl rein zufällig durch die Tür in die Freiheit geschlüpft sein :-).

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