Heimische Giftpflanzen im Porträt: der Echte Seidelbast (daphne mezereum)

Betörend duftend mit zarten, lila Blüten, die ein wenig an Flieder erinnern, zeigt sich eine unserer giftigsten heimischen Pflanzen in ihrer ganzen Pracht: der Seidelbast (Daphne mezereum).


Warum lohnt es sich, die Pflanze zu (er)kennen?


Einerseits dient der unter Naturschutz stehende Seidelbast als einer der ersten Frühblüher (Blüte März bis April) in Auwäldern, Bachufern und Naturhecken als Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.


Andererseits reichen bereits zehn der verlockend roten Beeren um bei einem Erwachsenen, zu schweren Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Krämpfen, Lähmungen, Nierenschädigung, Kreislaufkollaps hin bis zum Tod zu führen (bei Kindern entsprechend weniger!). Bei äußerer Einwirkung rufen Pflanzenteile auf Haut und Schleimhäuten Entzündungen mit Rötungen und Blasenbildung hervor. Dasselbe gilt für einige Gartenformen mit gelben Beeren!


Vermutlich kommt der Volksname „Kellerhals“ vom Engegefühl, Kratzen und Brennen im Hals, wenn es zur Vergiftung kommt.

Verantwortlich für diese Vergiftungserscheinungen ist das Diterpenenester in der ganzen Pflanze (Daphnetoxin in der Rinde, Mezerein vor allem im Samen). Eine Zubereitung aus der Rinde für Salben bei rheumatischen Beschwerden und chronischen Hautleiden bzw. homöopathische Verdünnungen werden heute noch bei Gürtelrose und Nervenschmerzen genutzt.


Nach einer Legende im oberösterreichischen Raum war der Seidelbast ein stolzer Baum, bis aus seinem Holz das Kreuz Christi gezimmert wurde. Daraufhin traf ihm ein Fluch und er verkümmerte zu einem Sträuchlein. Die stimulierende Wirkung des Seidelbeersaftes ist pharmakologisch erwiesen – das Fruchtfleisch ist angeblich frei von Gift. Von einem Selbstversuch ist allerdings aufgrund der Giftigkeit der Pflanze unbedingt abzuraten!


Zu erkennen ist der Seidelbast an einem markanten Merkmal: als einzige heimische Art ist der Seidelbast cauliflor, d.h. die Blüten setzen direkt am holzigen Stamm an. Die lanzettenartigen Blätter entwickeln sich erst nach den Blüten.

Trotz der Giftigkeit der Pflanze lohnt sich ein Ansiedeln im Garten: Drosseln und Bachstelzen laben sich an den Beeren. Und die Herleitung des Wortteils „Seidel“ von "Zidal" (Biene) deutet auf die Wichtigkeit als Nahrungsquelle für Bestäuberinsekten im Vorfrühling h







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