Waschmittel, das vor der Haustür wächst


Wenn ihr Zeit und Lust habt, nehmt euer Lieblingswaschpulver oder -flüssigwaschmittel zur Hand und studiert die Inhaltsstoffe auf dem Etikett...

Entdeckt ihr Begriffe wie: Tetrasodium Etidronate, Sodium Carbonate Peroxide, Vinyl Acetate, Glycol + 1, C12-14 Pareth-7 oder MEA-Laureth Sulfate? Mir hat sich beim Recherchieren über die Inhaltsstoffe meines "ultra-sensitiv für allergische Haut und ohne Duftstoffe-Lieblingswaschmittel" buchstäblich der Magen umgedreht, denn übersetzt bedeuten diese Stoffe im Groben: hormonell wirksam, steht im Verdacht erbgutschädigend zu wirken, macht die natürliche Hautbarierre durchlässig und von "gewässerschonend", wie es das aufgedruckte Siegel suggeriert, kann keine Rede sein.

Die vor einigen Jahren in Mode gekommen Waschnüsse erschienen mir zuerst als vernünftigste Alternative. Ganz zufrieden war ich mit den aus Indien oft unter zweifelhaften Bedingungen geernteten und nach Europa importierten planzlichen Waschmittelersatz nicht. Vor allem die Tatsache, dass der Boom nach Waschnüssen in Europa diese in ihrem Herkunftsland für die dortigen Bewohner unleistbar macht, stieß mir sauer auf. Zusätzlich liegt Indien nicht gerade "ums Eck" und der Transportweg lässt den ökologischen Fußabdruck in die Höhe schnellen.

Während meiner Ausbildung zur Grünen Kosmetik und Hautpädagogin bin ich über zwei nachhaltige, preiswerte, kompostierbare, umweltschonende Alternativen gestoßen: Efeu und Rosskastanie!

Beide Pflanzen enthalten Saponine - natürliche, abbaubare, waschaktive Substanzen aus der Natur verwendbar für Körperpflege, Wäsche und zur Haushaltsreinigung.

Zerkleinert und getrocknet können Kastanien bis zu drei Mal verwendet werden. Entweder direkt in ein Wäschesackerl bei niedrigen Temperaturen in die Trommel geben oder für Weißwäsche bzw. beim Waschen mit höheren Temperaturen für ca. eine Stunde eine Lauge ansetzen (die Gerbstoffe lösen sich sonst aus der Schale und färben die Wäsche bräunlich).

Ich verwende zwei große Esslöffel für die Wäsche bzw. auf ein Glas mit 1/4 Liter warmen Wasser. Die Lauge abseihen und in das Fach für das Waschmittel eingießen.

Die Mengenangaben sind natürlich abhängig vom Härtegrad des Wassers und dem Verschmutzungsgrad eurer Wäsche - da gilt es, ein wenig zu experimentieren. Hartnäckige Flecken wie von Blut, Gras oder Hautfett am Hemdkragen behandle ich mit (palmölfreier) Gallseife vor und bei Weißwäsche oder verschwitzten Sportsachen gebe ich einen Esslöffel Natron bei.

Mangels chemischer Duftstoffe ist die Wäsche geruchslos! Ich verzichte auf die Zugabe von ätherischen Ölen, sondern lasse die Wäsche bei jedem Wetter (außer Starkregen) draußen trocknen.

Nach einem Jahr Wäschepflege mit Rosskastanien bin ich überzeugt: keine juckende Haut oder sonstige Reaktionen mehr, nach der Verwendung kommen die Kastanien auf den Kompost und leisten ihre Dienste im Garten und ich bin bei der Wäschepflege munter auf den angestrebten Weg der Selbstversorgung unterwegs.

Und ein zusätzlicher Vorteil: ich vermeide zur Gänze Verpackungsmüll und durch das Trocken in der Sonne schrumpft der ökologische Fußabdruck nahezu gegen Null!

Viel Spaß beim Experimentieren und falls ihr Fragen zur weiteren Anwendung von Rosskastanie bzw. Efeu (den ich einfach in einer Socke zur Wäsche stopfe) habt, freue ich mich auf eure Nachricht unter wir@wirlig.at!


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